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Amakusa Shiro - Gottes Samurai Der Aufstand von Shimabara #2086352
Roland Habersetzer

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Artikelnummer: 2086352
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Kurzbeschreibung:

Roland Habersetzer
deutsches Hardcover Buch mit Schutzumschlag und ca. 360 Seiten , Format 21 x 13,5 x 3 cm
Gewicht: ca 0.48 kg

  • Details

    Der Aufstand von Shimabara, Aus dem Franz├Âsischen von Frank Elstner ├╝bersetzt.
    Zu Beginn des 17. Jahrhunderts gab es in Japan etwa 300 000 Christen, unter ihnen mehrere daimyo. Doch das Tokugawa-Shogunat, das seit 1603 Japan beherrschte, verbot die Aus├╝bung der fremden Religion. Vor allem der dritte Shogun der Dynastie, Tokugawa Iemitsu, sah darin eine Bedrohung f├╝r die urspr├╝ngliche Kultur des Landes und nicht zuletzt auch f├╝r seine Herrschaft. Auf seinen Befehl wurden japanische Christen zu Zehntausenden gefoltert und hingerichtet. Besonders im S├╝den des Landes, wo die meisten Christen lebten, wurden die Lebensverh├Ąltnisse unertr├Ąglich. Doch im Geheimen wuchs der Widerstand gegen die Schreckensherrschaft. In seinem Zentrum standen f├╝nf Ronin, die einen Aufstand planten. Als Anf├╝hrer w├Ąhlten sie einen 17-j├Ąhrigen J├╝ngling, Shiro, von dem es hie├č, er sei ein Gesandter des Himmels, ein neuer Messias. Ende 1637 brach der Aufstand aus und entwickelte sich rasch zur einer der gr├Â├čten Rebellionen, die das Reich der aufgehenden Sonne je erlebte. Zehntausende Bauern, Samurai und Ronin k├Ąmpften, beseelt von der Kraft ihres Glaubens, gegen die Macht des Shogunats.

    Der franz├Âsische Kampfkunstmeister Roland Habersetzer schildert in diesem Roman auf au├čerordentlich spannende und lebendige Weise sowie mit gro├čer historischer Genauigkeit den Aufstand der Christen von Shimabara.

    Einleitung - Zur Geschichte:

    Zur Geschichte Am Ende des 16. Jahrhunderts erlebte Japan einen gewaltigen Kampf um die Herrschaft im Lande. Der junge Tokugawa Ieyasu war entschlossen, den Klan des 1598 verstorbenen Toyotomi Hideyoshi von der Macht zu verdr├Ąngen. In der Schlacht von Sekigahara im Jahre 1600 erlitt der Toyotomi-Klan eine vernichtende Niederlage. In der Folge leisteten die unterlegenen daimyo dem Sieger den Treueeid. 1603 lie├č Tokugawa Ieyasu sich zum Shogun ernennen. Dies erscheint als ein gerechter Lohn f├╝r seine geschickte Politik, durch die er das Land geeint hatte. Eine schier endlose Reihe von B├╝rgerkriegen hatte Japan zuvor nicht zur Ruhe kommen lassen. Unter der Herrschaft der Tokugawa begann eine lange Epoche politischer Stabilit├Ąt. Erst die Meiji-Revolution 1868 beendete die Macht dieses Klans, als der neue Kaiser Mutsuhito die Entscheidung f├Ąllte, sein Land in ein modernes Zeitalter zu f├╝hren. Aber 21 Jahre nach dem Tod Tokugawa Ieyasus kam es zu einem kurzen, doch blutigen Zwischenspiel. Einige Monate lang geriet im ├Ąu├čersten S├╝den des Landes, auf der Insel Kyushu, die festgef├╝gte Ordnung, die er im ganzen Land etabliert hatte, ins Wanken. Hier, weit entfernt von der Hauptstadt Edo, dem heutigen Tokio, brach ein Aufstand der Christen (kirishitan) aus, der genau genommen eine religions├╝bergreifende Revolte der gesamten Bauernschaft darstellte, die hier seit Jahrzehnten unbarmherzig unterdr├╝ckt und ausgebeutet worden war. Von den Philippinen aus waren in der zweiten H├Ąlfte des 16. Jahrhunderts missionierende Jesuiten nach Japan gelangt und hatten erfolgreich damit begonnen, ihren Glauben im Inselreich zu verbreiten. Kaum hatte der erste Tokugawa-Shogun die Macht ergriffen, erlie├č er Edikte, die die verst├Ąrkte Verfolgung der Anh├Ąnger des fremden Glaubens forderten. Ieyasu befahl, die Kirchen zu zerst├Âren, und er verlangte, dass die konvertierten Japaner entweder dazu gebracht w├╝rden, ihrem Glauben abzuschw├Âren oder dass sie, wenn sie unbeugsam blieben, hingerichtet w├╝rden. Auf diese Weise sollte der Buddhismus, den er als bedroht ansah, zu seiner alten St├Ąrke zur├╝ckfinden. Kyushu, vor allem aber die Halbinsel Shimabara und die Amakusa-Inseln, wurden zum Schauplatz einer unbarmherzigen Christenverfolgung. Zwischen 1614 und 1635 starben nahezu 300 000 Christen, die sich weigerten, abzuschw├Âren, darunter zahlreiche ausl├Ąndische Jesuiten. Die Bewohner Kyushus stumpften allm├Ąhlich ab unter dem st├Ąndigen Schrecken, mit dem sie leben mussten - nur so konnten sie die unaufh├Ârlichen Gewalttaten der Gouverneure von Nagasaki ertragen, die sich geschworen hatten, die fremde Religion auszul├Âschen. Es durfte in Japan nur einen einzigen Gott geben, den Kaiser, den Tenno, der als Sohn des Himmels galt. Zahlreiche Christen schworen unter dem Druck der Verfolgungen und den Schrecken der Folter ihrem Glauben ab. Andere zogen sich, seelisch und k├Ârperlich geschunden, in entlegene Winkel auf dem Lande zur├╝ck, um sich als Landarbeiter durchzuschlagen. Doch die Steuern, die auf die Ernten erhoben wurden, waren derma├čen hoch, dass das, was den Bauern blieb, oft kaum zum ├ťberleben reichte. Die ├Ârtlichen daimyo pressten buchst├Ąblich das Allerletzte aus den armen Insulanern, um die hohen Ausgaben bestreiten zu k├Ânnen, die ihrem Rang entsprachen. Aber unter diesen Bauern, deren Leben in den Augen der Machthaber nichts galt, verbargen sich zahlreiche Samurai, die ihre Eink├╝nfte und ihre Privilegien als Berufskrieger verloren hatten, weil sie sich unter ihrem christlichen daimyo Konishi Yukinaga, dem einstigen Herrscher ├╝ber diese Provinzen, zu dessen Glauben bekehrt hatten. Armut und Elend hatten sie bitter im Herzen werden lassen, aber dennoch hatte alles Ungl├╝ck ihrer Moral nichts anhaben k├Ânnen. Immer noch war die Erinnerung an die Zeit des Ruhmes ihres Lehnsherrn in ihnen lebendig, jene Zeit, in der Disziplin und die Bewahrung der Tradition zu den wichtigsten Dingen in ihrem Leben z├Ąhlten. Und so verharrten diese tapferen M├Ąnner lange Zeit in Stille, bis zu dem Tag, an dem offensichtlich wurde, dass ihnen tats├Ąchlich keine andere Wahl mehr blieb, als zu k├Ąmpfen. Als sie dies begriffen, entschlossen sie sich, einen Aufstand zu initiieren. Und so erhob sich, v├Âllig unerwartet f├╝r die Herrschenden, die gequ├Ąlte Bauernschaft in einer gewaltigen Revolte. Dies war der Aufstand von Shimabara (Shimabara-no-ran). An der Spitze der Erhebung standen f├╝nf Ronin, ehemals Samurai im Gefolge von Konishi Yukinaga. Ihre Namen lauteten Ashizuka Chuemon (Chidzuka Zenzaemon) - er war der Rang├Ąlteste -, Mori Soi (Soiken), Oye Matsuemon, Oye Genyemon und Yamada Emonsaku (Zenzaemon). Sie waren es, die in jenem schicksalhaften Herbst des Jahres 1637 den erst 17-j├Ąhrigen Masuda Shiro Tokisada als charismatischen Anf├╝hrer der Rebellion ausw├Ąhlten. Ihm folgend st├╝rzten sich Zehntausende japanischer Christen in ein Abenteuer, aus dem es kein Zur├╝ck geben konnte, da sie es wagten, sich der Macht ihres Shoguns in den Weg zu stellen. Masuda Shiro Tokisada wurde rasch zum Symbol des Widerstands gegen die Unterdr├╝ckung und die Ungerechtigkeit. Tats├Ąchlich aber bleibt er eine h├Âchst geheimnisvolle Pers├Ânlichkeit. Niemand wei├č, ob er beim Aufstand von Shimabara tats├Ąchlich die Befehlsgewalt innehatte oder ob er nur den Willen der f├╝nf Ronin vollstreckte, die seine Ausstrahlung f├╝r ihre Zwecke nutzen. Wir kennen heute zahlreiche Einzelheiten ├╝ber die Geschehnisse jener Tage, aber die wirkliche Pers├Ânlichkeit des jungen Anf├╝hrers bleibt im Nebel verborgen. Er stammte aus der in der Provinz Higo gelegenen Stadt Udo. Sein Vater war der christliche Bauern-Samurai Masuda Yoshitsugu (Jinbei). Seit er zw├Âlf Jahre alt war, befand sich Shiro h├Ąufig in Nagasaki, wo er f├╝r chinesische H├Ąndler arbeitete und in einer christlichen Familie Unterricht bekam. Wahrscheinlich war es dort, wo er in aller Heimlichkeit getauft wurde und den portugiesischen Namen Jer├│nimo Machondano Chico (Maxondanoxiro) erhielt. Es hei├čt, schon in sehr jungen Jahren habe sich seine Begabung f├╝r Literatur und f├╝r alle Formen der Kunst gezeigt. Und die Legende erg├Ąnzt: Er sei f├Ąhig gewesen, V├Âgel dazu zu bringen, sich auf seiner Hand niederzulassen und dort sogar Eier zu legen. Manch einer habe ihn gar ├╝ber das Meer wandeln sehen, in der N├Ąhe eines gl├╝henden Kreuzes, das aus dem Wasser aufgetaucht sei . Man verlieh ihm messianische Eigenschaften, wie sie erforderlich waren, um die Masse der Bauern, Christen wie Nichtchristen, aus ihrer dumpfen Lethargie herauszurei├čen. Seine Jugendlichkeit, sein helles Gesicht und seine brennenden Augen trugen das ihre dazu bei: Amakusa Shiro wurde der Engel des Himmels (Tendo), ein neuer Jesus Christus (Yaso Kirishito), der Abgesandte Gottes (Deusu). Seine anziehende Pers├Ânlichkeit schlug jeden, der in seine N├Ąhe kam, in den Bann. Seine Botschaft, die er unerm├╝dlich wiederholte, besagte, dass ┬╗ein jegliches Ding auf dieser Erde und ein jegliches Wesen, welches auch immer sein Rang sei, denselben Ursprung h├Ątten und von gleicher Natur seien┬ź (Tenchi dokon banbutsu ittai, issai shujo fusen kisen). Diese gro├čz├╝gige und auf die Gleichheit aller gerichtete Sichtweise fand offene Ohren bei den einfachen Leuten auf den s├╝djapanischen Inseln, die Hunger litten und unter dem unerbittlichen Druck der Tyrannei von einer besseren Welt tr├Ąumten. Die f├╝nf Ronin hatten sich also darauf geeinigt, im Namen Shiros zu handeln, nicht nur aufgrund seines nat├╝rlichen jugendlichen Charismas, sondern auch, weil er keiner der rivalisierenden Gruppierun12 gen angeh├Ârte, die einen Anspruch darauf h├Ątten erheben k├Ânnen, in diesem Aufstand die F├╝hrung zu ├╝bernehmen. Und noch bevor er selbst vor die Augen der Abertausenden Unterdr├╝ckten trat, die nur allzu gern daran glauben wollten, was ihnen die Ger├╝chte zugetragen hatten, begeisterte man sich f├╝r einen Plan, der ihm zugeschrieben wurde: Ein Marsch nach Norden, um sich mit ausl├Ąndischen christlichen Truppen zu vereinen - dann die Festung von Osaka einzunehmen und auf Edo zu marschieren. Die verhassten daimyo w├╝rden unterwegs gefangengenommen werden. Ein neues Zeitalter w├╝rde in Japan erstehen! Voll Hoffnung dr├Ąngten sich die Menschen am Anfang jenes Herbstes des Jahres 1637 um die Kohlenbecken, die in die Lehmb├Âden der elenden H├╝tten eingelassen waren, w├Ąhrend sich drau├čen im Wind und in der K├Ąlte die Geister tummelten und der Mond am Himmel aufstieg und die Wipfel der B├Ąume und die Silhouetten der Berge in ein bl├Ąuliches Licht tauchte . Alle Ereignisse, die in diesem Buch erz├Ąhlt werden, wie auch ihr zeitlicher Ablauf und die Namen der Orte, an denen sie sich abspielten, sind historisch belegt. Viele der Personen, die auf diesen Seiten auftreten, haben tats├Ąchlich existiert. Der Leser findet sie im Anhang aufgelistet. Ihre Gespr├Ąche und konkreten Verhaltensweisen wurden hingegen vom Autor ersonnen. Das gleiche gilt f├╝r ┬╗Shiros Tagebuch┬ź, aus dem im Verlauf der Erz├Ąhlung immer wieder zitiert wird. Die Tagebucheintr├Ąge sind gem├Ą├č der japanischen ├ära Kan'ei (1624-1643) datiert, die der Endzeit der Herrschaft des Kaisers Go-Mizuno-o und dem Beginn der Herrschaft des Meisho-Kaisers entspricht. Japanische Begriffe werden im Text kursiv angezeigt, dies soll es dem Leser erleichtern, sie im Glossar dieses Buches wiederzufinden. Ausgenommen davon sind Begriffe, die heute als weitestgehend bekannt vorausgesetzt werden k├Ânnen oder deren Bedeutung sich eindeutig aus dem Text selbst ergibt. Was die Personen - seien sie historisch oder nicht - angeht, so werden ihre Namen gem├Ą├č dem japanischen Brauch angegeben: Zuerst wird der Familienname genannt und danach der Vorname. Die beiden Landkarten im Anhang erlauben es, die Ereignisse r├Ąumlich einordnen zu k├Ânnen.

    Textauszug aus dem Buch:

    Amakusa, Anfang Januar 1638 Der hikyaku war mit verh├Ąngten Z├╝geln gekommen. Kaum noch hatte der ersch├Âpfte Reiter sich im Sattel halten k├Ânnen, als er die Tore von Funai in der Provinz Bungo erreichte, und als er von seinem schwei├čnassen Reittier absa├č, st├╝rzte er zu Boden. Dennoch dauerte es ganze zwei Tage, bis die beiden Statthalter des Shoguns an diesem Ort begriffen, wie eilig die Antwort war, die das Schreiben aus Shimabara verlangte, welches der hikyaku mitgebracht hatte. Man berief einen Kriegsrat in Takase, das in der Nachbarprovinz Higo lag, ein. Vier daimyo, deren Gebiete von dem Aufstand betroffen waren, waren anwesend. Sie waren auf Weisung des Shoguns aus Edo herbeigeeilt. Man verlor keine Zeit mit Formalit├Ąten. Die daimyo gerieten in Streit, weil jeder den anderen bezichtigte, sich in seine Angelegenheiten einmischen zu wollen. So war es unm├Âglich, zu einer Einigung ├╝ber ein schnelles gemeinsames Eingreifen zugunsten der Belagerten von Shimabara oder Tomioka zu gelangen. Vergebens schlug Shimizu Hoki vor, mit seinen eigenen Kr├Ąften von seiner Burg in Kumamoto aus die Erhebung niederschlagen zu wollen. Um keinen Preis sollte ihm allein die Ehre geb├╝hren, die Rebellen besiegt zu haben! Au├čerdem war das ganze nichts weiter als ein gew├Âhnlicher Volksaufstand, wie es ihn zu jeder Zeit des Jahres irgendwo im Lande gab. Was war schon Besonderes an diesen kirishitan? Es w├╝rde nichts schaden, noch ein wenig abzuwarten. Wozu etwas ├╝berst├╝rzen? Der Kriegsrat kam zu dem Schluss, dass Zeit genug sei, auf die Truppen des Shoguns unter F├╝hrung von Itakura Shigemasa zu warten, die durch organisatorische Probleme aufgehalten worden waren, inzwischen aber nicht mehr weit sein konnten. Die Angriffswelle der Christen brach sich ein drittes Mal an der Verschanzung, die Harada Iyo, einer derer, die dem Hinterhalt von Shimako entkommen waren, in aller Eile hatte errichten lassen. Sie versperrte den Weg auf der schmalen Landzunge, die zur Festung f├╝hrte, so dass die Angriffe sich weit entfernt von ihren Mauern abspielten. Harada hatte genug Zeit gehabt. Nach der Ruhepause nach ihrem ├╝berw├Ąltigendem Sieg formierten sich die Rebellen nur langsam. In gro├čer Unordnung, doch siegessicher ihre Banner in die H├Âhe haltend, marschierten sie auf die Landspitze von Tomioka zu. Ihre Anf├╝hrer hatten vergeblich versucht, den Angriff auf die Zitadelle zu koordinieren. Es war ihnen unm├Âglich, die Tausenden Rebellen, noch immer trunken von ihrem Erfolg in Shimako, zu disziplinieren. Und wieder st├╝rmte eine Truppe, bunt zusammengew├╝rfelt aus bushi und Bauern, die ungeschickt Ackerger├Ąte oder erbeutete Waffen schwenkten, ohne jede Schlachtordnung unter lautem Gebr├╝ll nach vorn. Doch auch diese Woge wurde zur├╝ckgeworfen, wobei die Angreifer sich gegenseitig behinderten und Tote und Verletzte am Fu├če des neuen Hindernisses zur├╝cklassen mussten. Ashizuka und Yamada standen auf einem bewaldeten H├╝gel, von wo aus sie die vergeblichen Versuche genau beobachten konnten. Doch sie konnten nichts tun. Die Verschanzung war von den M├Ąnnern Haradas besetzt. Weiter hinten, bei den W├Ąllen der Burg, waren die Silhouetten weiterer bewaffneter M├Ąnner zu erkennen, jederzeit bereit, die Pl├Ątze gefallener Verteidiger einzunehmen. Das alles konnte sehr lange dauern, und die Zeit dr├Ąngte. Pl├Âtzlich kehrte Stille ein, als ob beide Lager eine Atempause ben├Âtigten. Was nun folgte, erinnerte an die alten Zeiten, an jene weit zur├╝ckliegenden Jahrhunderte, in denen die Armeen der Klane der Taira und der Minamoto ihre Schlachten damit zu er├Âffnen pflegten, dass sie zun├Ąchst ihre gr├Â├čten K├Ąmpfer auf dem Feld, das die Truppen voneinander trennte, gegeneinander antreten lie├čen. Genau dies geschah nun unter den ungl├Ąubigen Blicken Ashizukas, Yamadas und anderer Rebellenf├╝hrer, die sich ihnen auf ihrem Beobachtungsposten angeschlossen hatten. Die Silhouette eines Kriegers l├Âste sich vom Fu├č der behelfsm├Ą├čigen Verschanzung, an der schon so viele tapfere K├Ąmpfer aus beiden Lagern das Leben verloren hatten. Obgleich die Sonne von Wolkenschleiern verhangen war, konnte man einen kurzen Lichtreflex auf dem mit H├Ârnern besetzten Helm sehen, auf welchen sich pl├Âtzlich Hunderte Augenpaare mit fiebrigem Blick richteten. Man wich unwillk├╝rlich ein wenig zur├╝ck, fasziniert von der stattlichen Erscheinung und der Autorit├Ąt, die der Mann, der eine schwarze R├╝stung trug, ausstrahlte. Der Krieger h├Ątte eine leichte Zielscheibe geboten. Es musste ein sehr tapferer Mann sein. Pl├Âtzlich erkannten ihn die K├Ąmpfer - sie murmelten seinen Namen und verstummten schlie├člich: Es war Harada Iyo pers├Ânlich, der Samuraihauptmann, der aus Karatsu gekommen war und der aus dem Hinterhalt von Shimako gerettet hatte, was noch zu retten gewesen war. Obwohl er m├╝de und ersch├Âpft sein musste von den Strapazen der letzten Tage und N├Ąchte, strahlte er eine furchteinfl├Â├čende Kraft aus. Sein selbstsicheres Auftreten vor den Angreifern schien die Wogen zu gl├Ątten - die letzten Rufe waren verstummt. Er verharrte eine Weile, dann rief er mit weittragender Stimme: ┬╗Oei! Gibt es denn unter euch nicht einen einzigen wahren Samurai, der es wagt, sich mit Harada Iyo im Zweikampf zu messen?┬ź Seit den letzten gro├čen Schlachten der Samuraiklane, die miteinander st├Ąndig im Kampf lagen, bis das Shogunat der Tokugawa errichtet worden war, das allen seinen Frieden aufzwang, hatte man ein solches Verhalten nicht mehr erlebt. Dieser Brauch hatte es einst vielen Kriegern aus den gro├čen Familien des Landes erlaubt, ├Âffentlich ihren Heldenmut zu beweisen. Doch ein Befehl des Shoguns hatte dem ein Ende gesetzt, ebenso wie den gro├čen regul├Ąren Schlachten. Ashizuka, der vor ├╝ber drei├čig Jahren an der gewaltigen Schlacht von Sekigahara teilgenommen hatte, konnte bezeugen, dass der Brauch damals noch bestanden hatte. Und dass viele edle Krieger auf diese Weise ihren Namen in der Geschichtsschreibung verewigt hatten, wie einst in vergangenen Jahrhunderten die Krieger des Yamato-Zeitalters. Doch was sich hier vor seinen Augen zutrug, war wirklich unglaublich, denn der alte Brauch besagte, dass das ikki- uchi nur angesichts eines Gegners ausgerufen wurde, dem man auf diese Weise seinen Respekt erweisen wollte. Doch dies konnte hier unm├Âglich der Fall sein bei einem Feind, der in den Augen der Vertreter des Shoguns nichts als ein Haufen von Bauernt├Âlpeln und verwahrlosten Ronin war. Was geschah hier? Der Mann nahm ein gewaltiges Risiko auf sich. Der Anf├╝hrer der Ronin wusste nat├╝rlich, dass nach solch einer Heldentat die M├Ąnner Haradas ihm entweder in den Kampf folgen oder ihn ohne R├╝cksicht auf das eigene Leben r├Ąchen w├╝rden. Ashizuka bedauerte es, dass ein solcher Mann ihrer Falle hatte entkommen k├Ânnen, aber er kam nicht umhin, seine Tapferkeit anzuerkennen. Die Zeit schien stillzustehen. Endlich l├Âste sich aus den Reihen der Christen ein hochgewachsener Krieger, der ebenfalls eine Samurair├╝stung trug. Seinen Helm zierte ein Kranichfederbusch, und das jimbaori, das er ├╝ber der R├╝stung trug, war hinten mit zwei gekreuzten kama auf leuchtend rotem Grund bemalt. ┬╗Umetsu-sama┬ź, fl├╝sterte Ashizuka Chuemon, der das ber├╝hmte Kriegerwappen erkannte. Das Abbild der Sicheln war einst ein Erkennungszeichen, das viele christliche daimyo und Samurai trugen. Der alte Krieger musste sich ihren Reihen erst vor kurzem angeschlossen haben, wie auch andere ber├╝hmte Samurai, die jetzt von ├╝berallher kamen, um die Rebellentruppen zu verst├Ąrken. Doch jetzt war nicht die Zeit, dar├╝ber nachzudenken, woher Umetsu so pl├Âtzlich gekommen sein mochte. ┬╗Ist Umetsu Yusai dir genug? Ich war einst Vasall des edlen Konishi Yukinaga, und ich habe an seiner Seite an dem Feldzug gegen Chuzan teilgenommen! Auch gegen die rebellischen Sadato in den fernen Provinzen des Nordens habe ich gek├Ąmpft. Mein Leben wiegt nicht mehr als eine Kranichfeder, aber lieber will ich mit dem Gesicht zum Feind sterben, als mit dem R├╝cken zu ihm weiterzuleben.┬ź Auch seine Stimme trug weit in der Stille. Um die beiden Samurai hatte sich ein gro├čer freier Raum gebildet. Niemand sprach mehr ein Wort. Umetsu zog sein katana, nahm es fest in beide H├Ąnde und n├Ąherte sich mit kurzen, vorsichtigen Schritten seinem Gegner, bevor er eine stabile Stellung einnahm. Man konnte erkennen, dass er nach einem geeigneten Angriffswinkel suchte, der es ihm gestattete, den Abstand zu verk├╝rzen. Beide M├Ąnner drehten sich ein wenig. Unvermittelt st├╝rzte sich Umetsu auf den Mann in der schwarzen R├╝stung, doch sein Sprung war nicht schnell genug. Es gelang ihm nicht, gleichzeitig der geschickt gef├╝hrten Lanze Haradas auszuweichen und ihm nahe genug zu kommen, dass er ihn mit seiner Klinge treffen konnte. Haradas yari durchstie├č die Seite seiner R├╝stung und drang ihm tief zwischen H├╝fte und Rippen in den K├Ârper. Umetsu wurde nach hinten geschleudert. Der Kampf war beendet. Hunderte M├Ąnner schrien wie mit einer Stimme auf. Harada Iyo blieb gerade noch Zeit genug, sich vor dem w├╝tenden Ansturm der Christen in Sicherheit zu bringen, die unverz├╝glich einen lebenden Schutzwall um ihren Helden bildeten, der in einer immer gr├Â├čer werdenden Blutlache lag. Man hob ihn auf und trug ihn in nach hinten. Der alte Krieger war seinem Gegner nicht gewachsen gewesen. Er hatte nicht mehr die n├Âtige Kraft und Schnelligkeit besessen und war den Umgang mit der Waffe nicht mehr gewohnt. Ashizuka und Yamada waren aufgesprungen und eilten von ihrem H├╝gel zu dem Sterbenden. Sie beugten sich ├╝ber ihn und nahmen ihm vorsichtig den Helm ab. ┬╗Verzeiht mir, Ashizuka-sama. Ich h├Ątte mich euch fr├╝her anschlie├čen sollen┬ź, sagte er mit kaum vernehmbarer Stimme. ┬╗Aber - der Weg war etwas weit f├╝r den alten Mann, der ich heute bin, nicht wahr? Ich werde nun eher als Ihr unserem Herrn gegen├╝berstehen .┬ź Seine Augen drehten sich zum Himmel, und er starb. Wenigstens sein Haupt war dem Feind nicht in die H├Ąnde gefallen, und man w├╝rde ihm ein Begr├Ąbnis gem├Ą├č den Riten bereiten k├Ânnen. Sein Name w├╝rde in einem Atemzug mit dem seiner ruhmreichen Vorfahren genannt werden. In beiden Lagern hatten Hunderte den Kampf dieses Helden, der aus einem anderen Zeitalter zu ihnen gekommen zu sein schien, gesehen. Und sie w├╝rden ihn nie vergessen. Paulo Uchibori, einer der Priester der christlichen Gemeinde von Sakitsu, war herbeigeeilt, aber er erreichte den Sterbenden erst in dem Moment, als dieser seinen letzten Atemzug tat. Er fiel neben ihm auf die Knie und verharrte lange bei ihm, mit tief betr├╝btem Blick, den Rosenkranz betend und das Totengebet. Den allgemeinen Tumult, der wieder entstanden war, schien er nicht wahrzunehmen. Die Anf├╝hrer der Christen hatten allen, die Musketen besa├čen, befohlen, in der Nacht auf dem bewaldeten H├╝gel Stellung zu beziehen, der sich in Schussweite zur Verschanzung befand. Damit die K├Ąmpfer Harada Iyos davon nichts bemerkten, wurden immer wieder kleinere Angriffe gegen sie gef├╝hrt. Im Morgengrauen wurde das vorger├╝ckte feindliche Lager pl├Âtzlich unter Dauerbeschuss genommen. Ein Gro├čteil der M├Ąnner fiel unter den Kugeln, und die ├ťberlebenden waren gezwungen, ins Innere der Festung zu fliehen. Der Riegel, der den Zugang zu ihr versperrte, war gebrochen. Die Christen konnten wieder bis zu den Mauern gelangen. Wie eine Meute rasender Hunde st├╝rmten Tausende von ihnen voran, in heillosem Durcheinander. Durch die Schie├čscharten der Zitadelle hindurch gesehen schien die Zahl der Anst├╝rmenden unz├Ąhlbar. Der Alptraum Miwake Tobeis, des Kommandierenden der Festung, begann von neuem, und es war weit schlimmer als zu Anfang. W├╝rde keine Hilfe von au├čen kommen, w├Ąren sie verloren. Die Verst├Ąrkung aus Karatsu war in Shimako dezimiert worden. Er hatte nicht mehr gen├╝gend M├Ąnner, um noch lange standhalten zu k├Ânnen. Der Hass der Christen ihm gegen├╝ber war besonders ausgepr├Ągt. Miwake hatte sie ohne jedes Erbarmen foltern lassen, und er hatte den Bewohnern der Insel buchst├Ąblich das Letzte abgepresst, um die finanziellen Bed├╝rfnisse Terasawas, seines daimyo, befriedigen zu k├Ânnen. In einer Botschaft, die er einer der letzten Tauben, die ihm noch zur Verf├╝gung standen, anvertraut hatte, hatte er seine missliche Lage damit gerechtfertigt, dass die Christen einfach zu viele waren, als dass er sie mit seinen Leuten h├Ątte schlagen k├Ânnen. Tomioka war nun auf seiner Landzunge vollkommen abgeschnitten, belagert von zehntausend Christen, die offenkundig entschlossen waren, der Angelegenheit ein rasches Ende zu bereiten. Mori Soiken hatte noch weitere gut ausger├╝stete Truppen aus Shimabara geschickt. Sie hatten die Meerenge bei Ebbe durchquert - die Belagerten mussten hilflos zusehen, wie Kolonnen von Kriegern zu Fu├č und zu Pferd, deren R├╝stungen von Zeit zu Zeit in der Sonne aufblitzten, durch das flache Wasser herbeikamen und sich m├╝hten, endlich wieder auf festes Land zu gelangen. ┬╗Wir haben nicht mehr genug Pfeile und nicht mehr genug Schie├čpulver, um diese Ratten zu vernichten┬ź, stie├č Miwake Tobei hervor, ohne seine Wanderung durch den gro├čen Saal der Burg zu unterbrechen. S├Ąmtliche Offiziere, die hier, im ├Ąu├čersten S├╝den von Kyushu noch die shogunale Ordnung vertraten, waren versammelt. Eine Ordnung, die mehr denn je gef├Ąhrdet war, wenn nicht schleunigst Hilfskr├Ąfte zu ihnen entsendet w├╝rden. In ihren Gesichtern stand die Furcht geschrieben. Vergeblich hatten bisher die Sp├Ąher auf den T├╝rmen in den Ecken der Zitadelle Ausschau gehalten. Sie konnten nur davon berichten, dass die Flut der Christen, die von der Landzunge von Kuchinotsu herbeistr├Âmte, immer weiter anschwoll. ┬╗Nun . Uns bleibt immerhin noch gen├╝gend Zeit, viele von ihnen zu t├Âten┬ź, sagte schlie├člich Harada Iyo mit fester Stimme. Auch wenn manch einer der Anwesenden zustimmend nickte, konnte doch niemand ignorieren, was in seinen Worten mitschwang. Nicht alle der Samuraianf├╝hrer waren bereit zu sterben. Gewiss waren sie von Kindheit an mit dem Gedanken des unausweichlichen Todes vertraut, aber das Leben durch dieses Bauernpack zu verlieren, war eine andere Sache. Es war schon wenig der Ehre gewesen, gegen sie zu k├Ąmpfen . Okajima Jirozaimon, Ogasawara Saisuke, Sawaki Hichirobei, Tatsukuri Hachirobei, Nabika Kuhei, sie alle waren in Shimako niedergemetzelt worden, ein Ende, das ihrer nicht w├╝rdig gewesen war. Der junge Aoki Kanaemon, der in dieser Schlacht verwundet worden war und seine Rettung nur der Schnelligkeit seines Pferdes ver125 dankte, wollte um keinen Preis die Hoffnung aufgeben, dass das Meer sich von einer Stunde zur anderen mit Schiffen voll Hilfstruppen bedecken m├Âge, die sie vor dieser widerw├Ąrtigen Menge retteten. Einmal mehr heftete sich sein Blick auf die Silhouette eines der Sp├Ąher, die er durch das Fenster hindurch wahrnehmen konnte, und der noch immer reglos den Horizont beobachtete. Pl├Âtzlich erscholl der Ruf eines Wachpostens: ┬╗Sie kommen!┬ź Doch der Ruf kam nicht von der Seite des Meeres. Die Offiziere eilten zu den W├Ąllen, ein jeder auf den ihm zugewiesenen Posten. Trommeln wurden geschlagen - es herrschte ohrenbet├Ąubender L├Ąrm. Kenzaki Nobata brauchte nur wenig Zeit, um seine Musketensch├╝tzen oben auf dem Teil des Festungswalls hinter der Brustwehr in Stellung zu bringen, auf den der Angriff sich zu konzentrieren schien. Eine solch erb├Ąrmliche Taktik bot ihm die unverhoffte Gelegenheit, die Salven ebenfalls zu konzentrieren. Das Ergebnis lie├č nicht auf sich warten. Die erste Angriffswelle der Christen wurde f├Ârmlich niedergem├Ąht. Sie starben zu Hunderten. Kenzaki hatte seine Sch├╝tzen in mehreren Reihen antreten lassen, so dass sie einander st├Ąndig abwechseln konnten und ihnen genug Zeit zum Nachladen blieb. Den Angreifern wurde keine Atempause gelassen. Sie konnten nicht einmal bis an den Fu├č der Mauern gelangen. Sie mussten den R├╝ckzug antreten und ihre Toten und ihre Verletzten zur├╝cklassen, deren verzweifelte Schreie sie verfolgten. Wer von den Verwundeten noch laufen konnte, versuchte vergeblich, dem nun folgenden Pfeilhagel zu entkommen. Die Bogensch├╝tzen Hayashi Kojuros hatten den Platz der Musketensch├╝tzen eingenommen. Auf diese Weise konnten Kugeln und Pulver gespart werden. Shiro und seine Ronin mussten hilflos dem Debakel ihrer K├Ąmpfer zusehen. Einige der ├ťberlebenden suchten unmittelbar an den Mauern der Festung Schutz vor den Pfeilen und Kugeln. Sie waren nach den ersten Angriffswellen blindlings nach vorn gest├╝rmt und hatten es nicht geschafft, rechtzeitig umzukehren. Doch auch ihr Schicksal war besiegelt. - Es wurde Befehl gegeben, an diesem Tag nichts weiter zu unternehmen. Es war Yamada Emonsaku, der einen Plan verk├╝ndete, der gr├Â├čere Effektivit├Ąt im Angriff versprach. Mori Soiken hatte ihm erl├Ąutert, was seine Leute bereits mit Erfolg auf der anderen Seite der Meerenge erprobt hatten. Auf Yamadas Anweisung hin wurden mehrere Hundert M├Ąnner abkommandiert, damit sie im Verborgenen den Rest des Tages und auch einen Teil der kommenden Nacht das Material vorbereiteten, das f├╝r den n├Ąchsten Angriff ben├Âtigt wurde. Es handelte sich um behelfsm├Ą├čige Schilde, die aus geflochtenem Bambus gefertigt und mit Holz verst├Ąrkt wurden. In ihrem Schutz sollte es m├Âglich sein, zu den Toren der Festung zu gelangen. Der Angriff erfolgte in der Morgend├Ąmmerung. Es regnete leicht. Kriegsgeschrei erscholl, Trommeln wurden geschlagen, grell ert├Ânten Muschelh├Ârner. Der Ansturm ├╝bertraf in seiner Wucht die Angriffe der letzten Tage, und anscheinend gleichg├╝ltig gegen├╝ber dem Hagel aus Kugeln und Pfeilen, die die M├Ąnner Kenzaki Nobatas und Kunie Seizaimons, die auf die W├Ąlle geeilt waren, verschossen, stiegen die entfesselten Christen ├╝ber die sich rasch auft├╝rmenden Leichen ihrer Kameraden und erklommen die ├Ąu├čere Mauer. Sie setzten ihren Fu├č auch auf die zweite Ringmauer, doch der dritte Wall widerstand ihrem Angriff. Der Festungskommandant lie├č mehrere hundert Brandpfeile durch die Schie├čscharten versenden, die die fragilen Bambusschilde entflammten, was die Christen ├╝berraschte und ihre Moral brach. Viele verbrannten bei lebendigem Leibe, weil sie in dem Gedr├Ąnge unter die toten Leiber gefallener Kameraden geraten waren und sich nicht schnell genug von der Last befreien konnten. Diesmal musste Ashizuka Chuemon zugeben, dass ohne Kanonen, die eine Bresche in die Festungsmauern schossen, der Mut seiner M├Ąnner vergebens bleiben w├╝rde. Ohne mindestens ein Gesch├╝tz w├╝rde er Tomioka nicht einnehmen k├Ânnen. Die Muschelh├Ârner der Christen gaben Signal zum R├╝ckzug. Gro├če Entmutigung machte sich im Lager der Aufst├Ąndischen breit. Dennoch bereiteten sich schon die n├Ąchsten darauf vor, in dichten Reihen nach vorn zu gehen. Doch Panik brach aus, als die ├ťberlebenden der ersten Angriffswellen ins Lager zur├╝ckkehrten, in Aufl├Âsung, fassungslos, viele von ihnen schwer verwundet. Wer zu schwach war, sich zum Lager zu schleppen, den erwartete inmitten der zahllosen Leichen der sichere Tod. Die im Lager Verbliebenen konnten nichts f├╝r jene tun, deren Schmerzensschreie und Sto├čgebete sie in Verzweiflung versetzte. Die schmale Landzunge, die die Insel mit dem H├╝gel, auf dem Tomioka stand, verband, war voll von M├Ąnnern, Frauen und Kindern, die sich so weit wie m├Âglich vorwagten, um wenigstens die Verletzten, die es bis zu ihnen schafften, in Sicherheit zu bringen.
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